Freundeskreis der Fahrplansammler

 

Tauschtreffen in Hochdahl

 

24. September 2011

 


 

 

In diesem Jahr zog es den Freundeskreis der Fahrplansammler anläßlich des traditionellen Herbsttreffens ins Bergische Land, genauer gesagt nach

 

 

 

 

Hochdahl liegt an der Eisenbahnstrecke von Düsseldorf nach Wuppertal und wird von den auf dieser Verbindung verkehrenden S-Bahnen bedient. Der übergeordnete Nahverkehr durchfährt den Bahnhof ohne Halt. Planmäßigen Fernverkehr gibt es auf dieser Strecke nicht mehr. Damit ist diese Strecke heute eine von vielen im Netz der Deutschen Bahn. Diese Tatsache darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich bei der Strecke zwischen Düsseldorf und Hochdahl um eine mit ganz besonderer Historie handelt, mit der sich auch das Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hochdahl e.V. befaßt. Dazu später mehr. Der Museumslokschuppen (Foto links) in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Hochdahl diente als standesgemäße "Location" für das Tauschtreffen.  

 

 

 

 

 

 

Bereits vor dem eigentlichen Tauschtreffen im Museumslokschuppen kam es am Vorabend zu einem gemeinsamen Abendessen der Fahrplansammler.

 

 

 

Treffpunkt war das Restaurant "Alter Bahnhof Oberkassel" in Düsseldorf (Foto links).

 

Der Name kommt nicht von ungefähr, denn das Restaurant befindet sich tatsächlich im Inneren eines alten Bahnhofsgebäudes.

 

Züge fahren hier zwar schon lange nicht mehr, aber auch so konnte das Gebäude am Vorabend des Tauschtreffens den passenden Rahmen bieten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abendessen

 

im


"Alten Bahnhof Oberkassel".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es dann gemeinsam mit der S-Bahn-Linie 8 von Düsseldorf Hbf ins Museum nach Hochdahl.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Tauschobjekte verschiedener Generationen und Bahnverwaltungen liegen bereit, um die Lücken in den Sammlungen zu füllen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Akribische Prüfung der vorliegenden Exemplare.

 

 

 

Der Taktverkehr auf festen Fernverkehrs-Linien sowie die Beseitigung der meisten Zugnamen hat zur Folge, daß im Laufe der Jahre die Anzahl der außergewöhnlichen Exemplare abgenommen hat. Züge, die aus diesem Konzept ausbrechen und für die dann auch noch ein Fahrplanfaltblatt erstellt wird, kann man aber immer noch ausfindig machen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der IC 1219/18 "Ski-Express Montafon" (links) zwischen Frankfurt (Main) und Landeck-Zams und zurück sowie auch der IC 1281 "Großglockner" zwischen München und Schwarzach-St. Veit verkehren mit Zugnamen abseits der Hauptlinien.

 

Im Herbst 2010 wurde das Layout der Fahrplanfaltblätter "Ihr Reiseplan" überarbeitet. Zum Zeitpunkt des letzten Tauschtreffens im September 2010 waren allerdings erst die EC-Züge auf das neue Outfit umgestellt worden, die IC- und ICE-Züge folgten später. In der aktuellen Fahrplanperiode 2010/2011 werden nun alle Faltblätter der DB einheitlich im neuen Erscheinungsbild aufgelegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tauschtreffen im Museumslokschuppen Hochdahl.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie man sieht, hat bei der Archivierung der Sammelobjekte moderne Technik Einzug gehalten, und so hat die Papierliste heute vielfach dem Notebook weichen müssen. Es bleibt zu hoffen, daß man bei der Bahn noch nicht so zukunftsorientiert ist und über die Abschaffung des Papier-Faltblattes nachdenkt. Denn sonst gibt es vielleicht schon bald eines Tages nichts mehr zu sammeln und im ICE erschallt dann womöglich die Durchsage: "Verehrte Fahrgäste, wie begrüßen Sie im ICE. Den Fahrplan dieses Zuges können Sie sich auf Ihr iPhone downloaden." 

 

 

 

 

 

Ein nicht alltäglicher Zuglauf verbirgt sich auch hinter dem EC 379 vom Ostseebad Binz auf Rügen nach Brno in der Tschechischen Republik. Züge, die touristische Regionen in Deutschland ansteuern, tragen auch heute noch häufig Zugnamen, der EC 379 jedoch nicht.

 

Auf Tschechisch heißt das Ganze dann "Vᚠcestovní plán" (links).

 

Der Gegenzug EC 378 nach Rügen kommt übrigens nicht aus Brno, sondern von Wien Praterstern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Einen kuriosen Laufweg hat der ICE 1223 zu bewältigen (rechts): Von Darmstadt geht es über Frankfurt (Main), Köln und Kassel nach München! Der Zug benutzt zwischen Frankfurt und Köln die Neubaustrecke und wird mit einer ICE3-Garnitur gefahren. Auf weiten Teilen der restlichen Strecke dürfte das rollende Material etwas übermotorisiert sein.

 

 

Für Bahn-Reisende, die nicht immer den direkten Weg bevorzugen, ist dieser Zug das passende Angebot.   

 

 

 

 

 

 

Fahrplanfaltblätter gibt es natürlich nicht nur bei der DB, sondern unverändert auch bei anderen europäischen Bahnverwaltungen.

 

Das EC-Zugpaar 151/150 "Emona" verkehrt zwischen der österreichischen und der slowenischen Hauptstadt. Für den EC 151 nach Ljubljana stellt die ÖBB den Reisebegleiter (links), für den Gegenzug EC 150 nach Wien die SZ (rechts).

 

Die beiden Bahnverwaltungen verwenden zwar unterschiedliche Farben, aber sonst ist die Aufteilung der Titelseite identisch. Auch das Layout auf den Folgeseiten mit der Auflistung der Fairplandetails ist bei beiden Bahnverwaltungen völlig identisch. 

 

 

 

 

 

 

Fahrplanfaltblätter werden auch von Privatbahnen herausgegeben, wie z.B. von der Vogtlandbahn GmbH

(Abbildung links).

 

 

Der EuroCity "Albert Einstein" verkehrte lange Zeit durch vier europäische Länder zwischen Prag und Zürich/Bern über München und Bregenz. Zwar blieben EuroCity-Züge zwischen München und Zürich bis heute erhalten, der nördliche Abschnitt dieses Zuges wurde jedoch eingestellt. In diese Lücke stieß die private Vogtlandbahn mit ihrem ALEX-Zugangebot. So gibt es im aktuellen Fahrplan wieder eine durchgehende Verbindung mit ALX 355/356 zwischen München und Prag. Der traditionsreiche Zugname wurde für diese Verbindung wieder reaktiviert.

 

 

ALX 355 verläßt München um 9:01 Uhr und erreicht Prag um 14:54 Uhr. Um 17:10 Uhr macht sich die Garnitur als ALX 356 dann auf den Rückweg und trifft um 23:05 Uhr wieder in München ein. Ein Zugrestaurant, wie noch zu EuroCity-Zeiten, wird allerdings nicht mehr mitgeführt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellungsstücke im Museumslokschuppen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ältere Leser dieses Berichts werden sich noch daran erinnern, daß es Zeiten gab, als man die Fahrzeiten der Züge noch aus Kursbüchern ermittelte. Mit dem Fahrplanjahr 2008/2009 stellte die Deutsche Bahn die gedruckte Ausgabe des Gesamtkursbuches ein. Mit der Verbreitung der elektronischen Medien war die Auflage der gedruckten Variante stark rückläufig, zuletzt von 53.000 Exemplaren im Jahr 2003 auf 20.000 Exemplare im Jahr 2007. Folgerichtig kann man das Kursbuch heute schon als Ausstellungsstück im Eisenbahnmuseum besichtigen (Foto links). Ganz so weit ist es mit den Reiseplanern zum Glück noch nicht. Auch andere Exponate im Museum wirken teilweise wie Relikte aus einer anderen Epoche (Foto rechts).

 

 

 

 

Auch in diesem Jahr darf das Gruppenbild natürlich nicht fehlen.

 

 

 

 

Im Rahmen einer Führung (Foto rechts) erfuhren die Fahrplansammler Einzelheiten über das Museum. Der Themenschwerpunkt lag dabei auf der eingangs schon erwähnten besonderen Historie der Strecke von Düsseldorf nach Hochdahl.

 

Im Zuge der von England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgehenden Industrialisierung hatte die Dampfmaschine und auch die Dampflok ihren Siegeszug angetreten. Während auf der Insel dieser Prozeß schon im Gange war, war der Transport schwerer Güter auf dem Kontinent, gerade in bergigen Regionen, noch ein schwieriges Unterfangen. Für die zahlreichen produzierenden Unternehmen im Bergischen Land ergab sich dadurch ein deutlicher Standortnachteil. Zwar war der auf dem Wasserweg zu erreichende Düsseldorfer Binnenhafen in der Rheinebene nicht allzu weit entfernt, für die letzte Etappe ins Bergische Land war aber ein beachtlicher Höhenunterschied zu überwinden. Diesen wollte man fortan mit einer Einsenbahnverbindung bezwingen.

 

Unter mehreren Streckenvarianten entschied man sich schließlich für die direkte Verbindung, die annähernd der Luftlinie zwischen beiden Orten folgte. Der Bau begann im Jahr 1837. Der erste noch ebene Abschnitt bis Erkrath konnte bereits am 20.12.1838 in Betrieb genommen werden. Es handelte sich hierbei um die erste Eisenbahn in Westdeutschland. Die Wahl der direkten Strecke hatte allerdings zur Folge, daß hinter Erkrath bis Hochdahl ein Höhenunterschied von etwa 82 Metern auf einer Länge von ca. 2,5 Kilometern zu bewältigen war. Dies entspricht einer veritablen Steigung von etwa 3,3%. Diese Steigung war damals für Lokomotiven unüberwindbar. Es kam daher am oberen Ende der Steilrampe in Hochdahl eine stationäre Dampfmaschine zum Einsatz, mit der die Züge mit einem Seil den Berg hinaufgezogen wurden. Am 10. April 1841 ging dieser Abschnitt für den Güterverkehr in Betrieb, am 1. Dezember 1841 auch für den Personenverkehr.

 

Im ersten Betriebsjahr stellte sich der Seilzug-Betrieb mit einer stationären Dampfmaschine am oberen Streckenende als unwirtschaftlich und störanfällig heraus. Die Konstruktion wurde so umgebaut, daß der talwärts fahrende Zug mit einem Seil über drei Umlenkrollen den entgegenkommenden bergauf fahrenden Zug unterstützte (Gesetz der Energieerhaltung). Diese Vorgehensweise war so erfolgreich, daß sie bis 1927 praktiziert wurde. Erst dann waren die Lokomotiven so leistungsstark, daß unter Einsatz von Schiebe- und / oder Vorspannlokomotiven auf die Seilkonstruktion mit den Umlenkrollen verzichtet werden konnte. Mit der Elektrifizierung der Strecke im Jahr 1963 wurden dann auch die Zusatzlokomotiven weitestgehend überflüssig. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Einstellung des Seilzugbetriebes im Jahre 1927 geriet dieser offenbar recht schnell in Vergessenheit. Erst bei Erdarbeiten im Zuge der S-Bahn-Einführung von Düsseldorf nach Wuppertal Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts stieß man völlig unvorbereitet wieder auf die Relikte der Vergangenheit - so unerwartet, daß weite Teile der alten Umlenktechnik zerstört wurden. Eine Umlenkrolle blieb samt Kasten jedoch in Gänze erhalten und ziert heute den nördlichen Bahnhofseingang von Hochdahl (Foto links). Auf einer Metallplatte am Kasten der Umlenkrolle wird auf die besondere Historie der Strecke hingewiesen (Foto rechts), die als steilste Eisenbahn-Hauptstrecke Europas bezeichnet wird. Ob dies heute noch stimmt, scheint allerdings fraglich. Auf der Neubaustrecke zwischen Köln und Frankfurt (Main) sind einige Streckenabschnitte mit 4% Steigung ausgewiesen. 1841 brauchte man dafür noch eine Dampfmaschine mit Seilzug, heute rauscht der ICE mit bis zu 330 Sachen derartige Steigungen hinauf.       

 

 

 

 

Das diesjährige Tauschtreffen wurde mit einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant "ZILLE-Bilk" in Düsseldorf beschlossen. Noch am selben Abend oder am nächsten Morgen machten sich die Teilnehmer dann wieder auf den Rückweg.

 

 

 

Die Organisation des Tauschtreffens lag dieses Jahr in den Händen von Wolfgang. Im Namen aller Teilnehmer sei ihm dafür herzlich gedankt.

 

 

Dem Eisenbahnmuseum in Hochdahl danken wir für die freundliche Aufnahme, die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Museumsführung.

 

Homepage des Eisenbahnmuseums in Hochdahl:

Lokschuppen Hochdahl

 

 

Text und Fotos: Alexander David

 

 


© 2011   Alexander David

    Letzte Aktualisierung: 28.10.2011