Passagierschiffe im Helgolanddienst
Meldungen aus dem 2. Halbjahr 2022

(Fahrplandaten der Reedereien ohne Gewähr)

 

Die Sommersaison 2022 in Wort und Bild ...

 

... folgt im Spätherbst 2022.

 

Einen Vorgeschmack auf die zurückliegende Sommersaison gibt es in diesem Videoclip (© Dennis Schmidt).

 

 

 

21. September 2021 - Winterfahrplan ausgedünnt

 

Der Winterfahrplan zwischen Anfang November 2022 und Ende März 2023 wird offenbar merklich ausgedünnt. M/S Helgoland fährt zwar um das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel unverändert täglich, in der anderen Zeit werden aber die Tagesrückfahrten immer dienstags und donnerstags aus dem Fahrplan genommen. Dieser reduzierte Fahrplan entspricht in etwa der Anbindung bis einschließlich 2012, bevor im Jahr 2013 die Erreichbarkeit der Insel in der Wintersaison deutlich gesteigert wurde.

 

Nachfolgend die von der Reederei Cassen Eils veröffentlichten Fahrplandaten für die kommende Wintersaison zwischen Anfang November 2022 und Ende März 2023 außerhalb der Weihnachtsfeiertage und des Jahreswechsels im Detail:

 

Cuxhaven - Helgoland (Seebäderschiff)

 

Wochentag Abfahrt Cuxhaven Abfahrt Helgoland
Montag 10:30 Uhr 16:00 Uhr
Dienstag 10:30 Uhr 16:00 Uhr
Mittwoch 10:30 Uhr  
Donnerstag 10:30 Uhr 08:00 Uhr + 16:00 Uhr
Freitag 10:30 Uhr 16:00 Uhr
Samstag 10:30 Uhr  
Sonntag   13:00 Uhr

 

Fahrzeit pro Strecke: ca. 2 1/2 Stunden.

 

Die Fahrten in rot wurden bis zum letzten Winter durchgeführt, aber NICHT mehr im Winterfahrplan 2022 / 2023.

Die Fahrt in blau wurde von 7:30 Uhr im letzten Winter auf 8:00 Uhr im Winterfahrplan 2022 / 2023 verlegt.

 

 

 

17. August 2022 - Windjammer auf Kurs Helgoland

 

Gleich doppelt zeigte sich die elegante "Sea Cloud Spirit" im August 2022 im Rahmen

von zwei Nordsee-Kreuzfahrten ab Hamburg vor dem Roten Felsen. 

 

 

Die "Sea Cloud Spirit" an der Hamburger Überseebrücke.

Das Hamburger Abendblatt bezeichnete den Dreimaster auf der Titelseite der Ausgabe

vom 18./19.06.2022 als das "schönste Kreuzfahrtschiff der Welt".

 

 

 

Blick auf das Lidodeck und die Brücke der "Sea Cloud Spirit".

 

Die Errichtung des am 6. September 2021 in Palma de Mallorca getauften Schiffes der Reederei Sea Cloud Cruises verlief alles andere als gradlinig: Bereits im Jahr 2008 erfolgte die Kiellegung. Nachdem die Werft in Vigo / ESP im Jahr 2010 in Konkurs gegangen war, wurde die Fertigstellung des Schiffes eingestellt. 2015 wurde der Rumpf zu Wasser gelassen, der Weiterbau erfolgte jedoch erst ab 2018. Im Zuge der Corona-Pandemie kam es dann erneut zu erheblichen Verzögerungen bei der Fertigstellung, sodaß die für 2020 geplante Taufe und die anschließende Jungfernfahrt ins Jahr 2021 verschoben werden mußten.

 

Die "Sea Cloud Spirit" hat bei einer Vermessung von 5.431 BRZ eine Länge von 138 m, eine Breite von 17,2 m und einen Tiefgang von 5,65 m. Die maximale Geschwindigkeit beträgt maschinenbetrieben 14 kn, unter Segeln günstigenfalls 12 kn. Das Schiff ist für maximal 136 Passagiere in 69 Kabinen (ausschließlich außen) ausgelegt.  

 

 

Auslaufen aus Hamburg:

 

 

Am Heck weht die Flagge von Malta, Heimathafen ist Valletta.

 

 

 

Pflichttermin bei aus Hamburg am Abend auslaufenden Kreuzfahrtschiffen:

Der Gruß an den von Helgoland heimkehrenden "Halunder Jet".

 

 

 

 

Blick über die Freidecks.

 

 

 

Das Sonnendeck, oben mit Blick Richtung Bug, unten Richtung Heck.

 

 

 

In der Elbe, in der Elbmündung und bei den Anläufen der Inseln zum Landgang bewegt sich das Schiff maschinenbetrieben fort, aber auf der offenen See werden die Segel gesetzt:

 

 

Oben ist die Crew in den Wanten und am Großmast zu sehen. Schwindelfreiheit ist unabdingbar, denn die Höhe des Großmastes beträgt 57,90 m über der Wasseroberfläche. Das Setzen der Segel erfolgt auf der "Sea Cloud Spirit" traditionell in Handarbeit und ist extrem arbeits- und zeitintensiv. Allein 19 Beteiligte von insgesamt 85 Mitgliedern der Crew sind für das Setzen und Bergen der Segel zuständig. Pro Mast gibt es ein Team von sechs Personen, wobei davon jeweils ein Crewmitglied die Abstimmung pro Mast übernimmt. Die 19. Person koordiniert übergeordnet das Zusammenspiel und gibt unter anderem die Befehle von der Brücke an die Teams an den drei Masten weiter. Man kann beobachten, daß das Setzen und Bergen aller 28 Segel der "Sea Cloud Spirit" mit einer Fläche von ca. 4.100 m² jeweils etwa eine Stunde dauert.

Unten sind die gehißten Segel vom Sonnendeck aus zu sehen.

 

 

 

 

Insbesondere unter vollen Segeln bietet die "Sea Cloud Spirit" einen grandiosen Anblick.

 

 

 

 

Die "Sea Cloud Spirit" vor List / Sylt.

 

 

 

 

Vor List passiert die FRS Syltfähre "SYLTEXPRESS" nach Havneby / DEN die "Sea Cloud Spirit". Rechts vom Segelschiff ist im Hintergrund in Gegenrichtung die "RØMØEXPRESS" zu erahnen, das zweite Schiff von FRS Syltfähre. 

 

 

 

"SYLTEXPRESS" (oben) und "RØMØEXPRESS" (unten) jeweils im neuen Corporate Design der FRS, das diesem Schiffstyp sehr gut zu Gesicht steht. Beim Bericht über die Helgoland-Kreuzfahrt der "HANSEATIC inspiration" im September 2020 sind diese beiden Schiffe auf nordreport.de noch in alten Farben zu sehen.

 

 

 

 

Das Sonnendeck, hier während der Liegezeit vor List, verfügt über Sonnenliegen und Sofainseln.

 

 

 

 

Von List geht es über Nacht mit langsamer Geschwindigkeit gen Helgoland.

 

 

 

 

Anfahrt auf den Roten Felsen. Kurz darauf geht die "Sea Cloud Spirit" auf der Nordreede vor Anker.

 

 

 

 

Abweichend zu einigen anderen Kreuzfahrten in diesem Jahr mit Landgang auf Helgoland sind die Börteboote bei der "Sea Cloud Spirit" nicht involviert, es werden ausschließlich die eigenen Tenderboote eingesetzt.    

 

 

 

 

Die "Sea Cloud Spirit" vom Klippenrandweg aus gesehen.

 

 

 

 

Von Helgoland geht es unter Segeln zurück in die Elbmündung.

 

 

 

Ein großer Teil des Bordlebens spielt sich auf dem Lidodeck ab: 

 

 

Achtern befindet sich die Lido Bar und das Lido Bistro. Bei gutem Wetter wird hier nicht nur das Mittagessen serviert, sondern in Buffetform häufig auch das Abendessen. Die Bar ist den gesamten Tag bis in den späten Abend geöffnet. Auch das Early Bird Frühstück wird hier angeboten und die Kaffeestunde abgehalten.    

 

 

 

 

An Tagen, an denen das Abendessen nicht auf dem Lidodeck erfolgt, wird das Dinner im Restaurant à la Carte serviert.

Auch das Haupt-Frühstück wird hier in Buffetform angeboten.

 

 

 

Die weiteren Salons wurden aufgrund des guten Wetters zwar quasi nicht genutzt, strahlen aber auch ein gediegenes Ambiente aus: Oben die Lounge, unten die Bibliothek.

 

 

 

 Last but not least beispielhaft ein Blick in eine Kabine:

 

 

Die Kabinen sind geschmackvoll und edel eingerichtet.

Passend zu einem Segelschiff dieser Klasse kommt beim Interieur viel hochwertiges Holz zum Einsatz.

 

 

 

 

Rückkehr nach Hamburg:

 

 

In Kürze wird die "Sea Cloud Spirit" zum Ende der Reise wieder an der Überseebrücke festmachen.

Links am Bildrand ist der "Halunder Jet" zu sehen, der am frühen Morgen

seinen Nachtliegeplatz für die nächste Tagesfahrt nach Helgoland noch nicht verlassen hat.

 

 

Helgoland stand zwar nicht im Mittelpunkt dieser Reisen, sondern eher der Landgang auf Sylt und natürlich das Segeln auf der Nordsee. Die Seefahrt unter Segeln war aber im Gegenzug ein besonderes Erlebnis und eine spezielle Erfahrung, die man auf "normalen" Kreuzfahrten nicht gewinnen kann. Nachdrücklich bleibt insbesondere die Erkenntnis, welch enormer Aufwand und welche Leidenschaft der Crew notwendig sind, um dieses Schiff unter Segeln fortzubewegen.  

 

 

 

7. August 2022 - Mit einem Hauch von Nostalgie

M/S Amera auf der Reede vor Helgoland

 

Vom 5. bis 8. August 2022 absolvierte die "Amera" von Phoenix Cruises eine Kreuzfahrt von Bremerhaven nach Helgoland. Die Titelzeile zu diesem Bericht bezieht sich nicht in erster Linie auf das Kreuzfahrtschiff selbst, auch wenn die "Amera" mit Baujahr 1988 nicht mehr zu den Jüngsten gehört, sondern vielmehr auf das Aus- und Einbooten durch die Börteboote auf der Helgoländer Reede, das man auf dieser Reise wieder einmal miterleben konnte. Dies ist durchaus eine Besonderheit, nachdem die verbliebenen Seebäderschiffe inzwischen alle im Südhafen anlegen und das Aus- und Einbooten über die Helgoländer Reede zuletzt 2019 erfolgt war. Die große Zeit des Aus- und Einbootens ging sogar schon 2006 mit der Außerdienststellung der ehrwürdigen "Weißen Schwäne" zu Ende, an die man sich auf dieser Reise fast zwangsläufig noch einmal erinnert fühlt. Häufig liegt bei kürzeren Kreuzfahrten in der Nordsee der Fokus auf der Insel Sylt mit Austendern vor List, Helgoland wird dann oftmals quasi nur als Zugabe angesteuert. Auf dieser Mini-Cruise stand aber eindeutig der Rote Felsen im Mittelpunkt - Grund genug also, über diese Reise etwas detaillierter zu berichten.        

 

 

Ablegen von der Columbuskaje in Bremerhaven.

Von dort geht am Container-Terminal vorbei in die Deutsche Bucht.

 

 

Blauer Himmel am nächsten Morgen - das Wetter scheint wie gemacht für einen Seetag.

 

 

Noch gehören die Freidecks den verstreuten Frühaufstehern, aber dies ändert sich bald, wenn Kapitän Jarle Flatebø die Gäste dieser Reise zur Begrüßung bei den "Schönen Aussichten" zu einem Umtrunk einlädt.

 

 

Die "Schönen Aussichten" befinden sich auf den oberen Freidecks zwischen Signalmast und Schornstein. In der Mitte befindet sich eine Aktionsfläche (oben), die im früheren Leben der "Amera" einmal ein Swimmingpool war. 

 

 

Skål! (Der Kapitän ist ein Norweger.)

 

Nach der Begrüßung und dem offiziellen Teil geht man zur Party über, aber nicht mit Shanty und Fischbrötchen, was man  angesichts der Reiseroute vielleicht vermuten könnte, sondern mit einer gewagten Kombination aus bayerischem Biergarten und musikalischen Klängen aus dem Rheinland.

 

 

Auch wenn das Schwimmbecken mittschiffs einer neuen Funktion weichen mußte, ist trotzdem ein Pool-Bereich vorhanden, der sich auf dem Achterdeck befindet. Umfangreiche Umbauten und Renovierungen wurden im Jahr 2019 durchgeführt, nachdem Phoenix Cruises das Schiff übernommen und in "Amera" umbenannt hatte. 

 

 

 

 

In Dienst gestellt wurde das Schiff 1989 als "Royal Viking Sun" für die Royal Viking Line. Im Jahr 2002 kaufte die Holland America Line dann das Schiff und brachte es unter dem Namen "Prinsendam" zum Einsatz. Aus dieser Zeit datiert das obige Foto der "Prinsendam" im Hamburger Hafen.

 

 

Nicht zuletzt durch die umfangreichen Renovierungen bei der Umwandlung von der "Prinsendam" zur "Amera" hinterlassen die Salons durchweg einen ansprechenden und modernen Eindruck.

 

Nachfolgend mehrere Fotos aus dem Innenbereich:

 

 

Restaurant "Amera", eines von zwei Hauptrestaurants

 

 

 

Spezialitäten-Restaurant "Pichlers"

 

 

 

Lido Buffet-Restaurant

 

 

 

Harry's Bar

Abends wird hier Musik geboten, morgens erhält man hier das Early Bird Frühstück.

 

 

 

Piano-Salon

 

 

 

Bibliothek

 

 

 

 

Panorama-Lounge

 

 

 

Atlantik-Showlounge

 

 

Nach dem Abendessen wird hier eine kurzweilige ABBA-Show geboten, die gern hätte länger dauern können, aber die Musik spielt sich nun draußen ab, denn über dem Bug der "Amera" erhebt sich der Rote Felsen langsam aus dem Meer.

 

 

 

 

Bereits am Vorabend des Landgangs hat die "Amera" die Helgoländer Nordreede erreicht.

Gegen 21:45 Uhr geht der Backbord-Anker zu Wasser und die "Amera" läßt zur Begrüßung das Typhon mit drei langen Signalen erklingen. Anschließend liegt das Schiff über Nacht vor der Insel.

 

 

 

 

Zu Beginn des nächsten Tages taucht die noch tiefstehende Sonne den Roten Felsen in ein besonderes Licht.

 

 

 

Als Erstes ist das Börteboot "Atlantis" bei der "Amera".

Zunächst werden Vorbereitungen für das Ausbooten getroffen. Unten ist zu sehen, wie das Tauwerk am Rumpf der "Amera" befestigt wird, damit die Börteboote sicher am Kreuzfahrtschiff festmachen können.

 

 

 

Anschließend kann das Ausbooten beginnen:

 

 

Gut ist zu sehen, daß die Lage der Ausbootungspforte bei der "Amera" vom Niveau über der Wasseroberfläche sehr günstig ist, fast so, als hätte man sie für die Anlandung im Helgoland-Verkehr konzipiert. Bei anderen Kreuzfahrtschiffen müssen sogar bei Benutzung der eigenen Tender häufig umfangreiche Gangways oder Pontons am Rumpf befestigt werden.

 

 

 Beim Anblick dieser Fotos sind aufgrund der Ähnlichkeit der Szenerie alte Erinnerungen und Traditionen intuitiv plötzlich wieder sehr präsent. Fast könnte man meinen, es würde sich um das Ausbooten der "Wappen von Hamburg" vor 2007 handeln, aber es ist die "Amera" im Jahr 2022.

 

Zu Landausflügen, bei denen die Kreuzfahrtschiffe nicht direkt im Hafen anlegen, werden die Gäste in der Regel mit den eigenen Tenderbooten an Land gebracht, so bisher auch auf Helgoland. Erst in diesem Jahr ist zu beobachten, daß unterstützend auch Börteboote diese Aufgabe übernehmen. Beim Anlauf der "Amera" kam bemerkenswerterweise hinzu, daß die Börteboote die Anlandung komplett übernommen hatten. Kein einziges Tenderboot der "Amera" wurde vor Helgoland zu Wasser gelassen. Beim Ausbooten der "Amera" lag die Obergrenze bei 35 Passagieren pro Börteboot.    

 

 

 

Mit dem Börteboot von der "Amera" auf die Insel.

 

 

 

Landseitig wird für die Verbindung zur "Amera" die der Einfahrt des Nord-Ost-Hafens nähere Treppe verwendet. Eine entsprechende Schutzzone ist, wie bei Kreuzfahrten üblich, aus Sicherheitsgründen eingerichtet.

 

 

 

Die "Amera" auf der Helgoländer Nordreede ...

 

 

... vom Nordstrand bei der Jugendherberge und ...

 

 

... vom Klippenrand aus gesehen.

 

Die "Amera" hat bei einer Vermessung von 39.051 BRZ laut Angabe von Phoenix Cruises eine Länge von 205 m, eine Breite von 29 m und einen Tiefgang von 7,25 m. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 21,5 kn, die Reisegeschwindigkeit wird mit 15 bis 18 kn angegeben. Der Heimathafen ist Nassau, der Flaggenstaat sind die Bahamas. Das Schiff ist für maximal 835 Passagiere ausgelegt, auf der Fahrt nach Helgoland befanden sich aufgrund der derzeit geltenden Corona-Sicherheitskonzepte ca. 750 Passagiere.

 

 

 

Mit dem letzten Boot zurück zur "Amera".

 

 

Während des Abendessens wird der Anker eingeholt und die "Amera" macht sich anschließend mit langsamer Fahrt auf den Weg Richtung Wesermündung, ...

 

... die am nächsten Morgen erreicht ist.

 

 

Erneut ein traumhafter Sonnenaufgang. 

 

 

 

Wenig später geht die Reise zu Ende und die "Amera" macht hinter der "Mein Schiff 3"

wieder an der Columbuskaje in Bremerhaven fest.

 

 

 

Rückblickend läßt sich resümieren, daß die Reise, die ja vom Veranstalter als Schnupper-Cruise deklariert wurde, eine gelungene Promotion war für Phoenix und die "Amera", aber auch für den Roten Felsen im Allgemeinen sowie die Tradition und Erhaltung des Helgoländer Börtebetriebs im Speziellen.

 

 

Archiv: News aus dem 1. Halbjahr 2022

 


© 2022 Alexander David

    Letzte Aktualisierung: 24.09.2022